ich bin umgezogen. meine neue adresse: http://www.schmaerblog.de.
neue posts von nun an nur noch dort.
Sonntag, 29. Juni 2008
geschlossen
Freitag, 27. Juni 2008
virtueller suizid
am ende geht ein jeder dort hin, wo er hingehört; nach hause nämlich.
das kann ich jetzt auch endlich tun. mein freund kasn ist daran nicht ganz unschuldig, er gab mir nämlich mein neues zuhause, auf das ich mich freue, als würde ich noch einmal 18: schmaerblog.de
Mittwoch, 25. Juni 2008
türkiye, türkiye!
gerade hat schweinsteiger das ausgleichstor geschossen, was innerhalb der wohnanlage zu freudenschreien führt. und auch im garten wird es nun wieder lauter. dort sehe ich vom balkon aus den blockwart mit seiner familie und seinen kumpels vom vw-club. in einer alten schwarzen trainingshose steht er am gartenzaun. der bund sitzt straff aber lässig am bierbauch, den das trikot der deutschen nationalelf nur leidlich kaschieren kann. in der rechten hand hält er eine zigarette, die linke trägt eine bierflasche. das gesicht ist stets auf den eigens neben dem grill aufgebauten fernseher gerichtet. allerdings bepöbelt er emsig die ebenfalls grillende familie auf dem balkon des nachbarhauses. die frauen dort tragen kopftücher, die männer schnauzbart. alle sind gut gekleidet und gut gelaunt. trotz übelster chauvinistischer beleidigungen lassen sie sich nicht aus der ruhe bringen. einige der männer stehen am geländer und beobachten ebenfalls das fußballspiel auf dem hausmeisterlichen fernseher. das bringt diesen in rage. er stellt klar, dass er die glotze nicht für türkische schleimer in den garten geschleppt habe. das schindet auf dem balkon keinen eindruck, stattdessen ertönt der schlachtruf: "pa-kistan! pa-kistan!"
Dienstag, 24. Juni 2008
großes blutbad
wenn man auf die klingel der arztpraxis drückt, aktiviert man gleichzeitig den summer und kann die tür aufmachen. ich trete ein und reiche meine karte nebst den üblichen zehn euro praxisgebühr über den tresen. lässig betrete ich das wartezimmer und setze mich auf den letzten freien stuhl. ich blicke mich unter den wartenden um. das durchschnittsalter dürfte deutlich über 60 liegen. ich bin der einzige mann mit haaren. als sich die aufregung über meinen gruß gelegt hat, erklären sich die alten untereinander, dass sie früher nie zum arzt gegagen seien. es ist mir unklar, ob ich das als kritik an meiner person werten soll. jedenfalls sagen ihre blicke, ich solle mir bloß nicht einbilden, ich könnte so krank sein, dass ich ein recht auf einen arztbesuch hätte. schon fünf minuten später werde ich aufgerufen und vom anblick der rentnerriege erlöst. in ihren gesichtern ist blankes entsetzen zu erkennen: wer so kurz wartet, muss ernsthaft krank sein - hoffentlich nichts ansteckendes! schade, dass ich das japsen im wartezimmer nach meinem simulierten hustenanfall nur noch am rande erlebe.
Montag, 23. Juni 2008
europameister der herzen
wieder einmal sind die oranjes zu früh aus dem turnier ausgeschieden. über das spiel muss man gar nicht reden. über die häme, die mir als fan schönen fußballs entgegenschlug, erst recht nicht. bevor ich mein geliebtes trikot wieder für lange zeit im schrank verstauen muss, trage ich es heute noch ein letztes mal;
an der universität werfen mir alle geringschätzige blicke zu. bei den juristen, die vor dem audimax herumlungern, löse ich sogar sprechgesänge aus. ich verstehe gar nicht, warum punks sich mit t-shirts von erfolglosen bands einkleiden, um zu protestieren. nichts löst in der gesellschaft auch nur annähernd so viel empörung aus, wie das falsche fußballtrikot.
hysterische pädagogik
der fensterlose vorlesungssaal ist klimatisiert, deshalb gefriert der schweiß auf der haut. bibbernd blicke ich 90 minuten pädagogik-vorlesung entgegen. wegen dem guten wetter ist der saal nur mäßig gefüllt und man hat einen guten blick durch die reihen auf die lüftungsgitter, aus denen aus sibirien importierte luft kommt. das heutige thema: "die zweigeschlechterlehre und die hysterie der weiber - pädagogik im 19. jahrhundert". die dozentin lässt sich breit über humboldts bildungsbegriff aus, inzwischen nutzt eine ratte die gelegenheit durch das lüftungsgitter zu kommen und nahrung zu suchen. etwa 16 der 19 anwesenden pädagoginnen kreischen und verlassen fluchtartig den raum oder retten sich auf die stuhlreihe und blicken das possierliche tierchen angsterfüllt an. nachdem sie wieder in der lüftung verschwunden ist, setzt die dozentin ihren vortag fort und kommt zur theorie der weiblichen hysterie. "schwachsinnig", "hirnrissig", "beschämend" und "verblendet" sei diese, "absolut unhaltbar" und "falsch". ich notiere: "hysterie aus pietät in panik umbenannt".
Freitag, 20. Juni 2008
jugendliche haut
üblicherweise wache ich vormittags vom wecker aus dem schlaf gerissen auf. mein erster gedanke gilt dann dem problem, den geschmack nach katzenscheiße im mund zu beseitigen. der erste weg führt also ins bad. dort greife in in traumwandlerischer sicherheit zur elektrischen zahnbürste und zur zahnpastatube. danach setze ich mich mit der zahnbürste im mund aufs klo und putze 3 minuten. heute nicht. schon bevor der wecker pulsiert, wache ich mit höllischen schmerzen an der backe auf. sofort hellwach wanke ich schmerzgekrümmt ins bad. im spiegel erscheine nicht ich, sondern mein gerippe. es trägt auf der linken backe einen riesige rote beule. ein zweifachpickel, möglicherweise ein drei-, oder dem schmerz nach sogar ein vierfachpickel! todesmutig setze ich an. mit pressatmung unterdrücke ich wilde flüche. mit knirschen bahnt sich ein eiterpfropfen den weg in richtung spiegel. der boden erzittert von der wucht des aufpralls. den höre ich aber nicht. mein schrei übertönt alles.
