Besucherstatistik

Mittwoch, 28. Mai 2008

16 jahr, buntes haar

bei 31° in der sonne sitze ich an der isar, natürlich allein in gesellschaft eines guten buches. meine füße hängen bis zum knöchel im wasser, der rücken trotzt der uv-b-strahlung.
von fern hallt musik; vor allem lautes, deutsches liedgut, gelegentlich auch dead kennedys. das kommt von den punks, die sich neuerdings an der flaucherbrücke häuslich eingerichtet haben.
hinter mir raschelt es im gebüsch. von natur aus mit starkem fluchtinstinkt ausgestattet, drehe ich mich um, um der gefahr ins auge zu sehen. die gefahr sieht aus wie 15, trägt zerschlissene leggins, dazu doc martens, ein gestreiftes röckchen, ein gelbes top mit totenkopf und haare, die, wenn man ihre einzelnen farben zusammenmischen würde, sicherlich kastanienbraun wären.
vermutlich trägt sie diese klamotten und schlüpft im gebüsch herum, weil sie auf der verzweifelten suche nach anerkennung und freunden ist.
"warum sitzt du denn hier allein?", fragt sie unschuldig, was mich zur stellungnahme nötigt: "ich hab' auch keine freunde."

Montag, 26. Mai 2008

weapons of gas destruction

die rassentheorie der nazis war natürlich quatsch. man kann an der schädelform keinen arier erkennen. aber man kann am aussehen und an der stimme eine pädagogikstudentin erkennen. zum beispiel die drei rechts neben mir, die eine vorlesung über immanuel kant hören, die für pädagoginnen und historiker angeboten wird.
die augen der ersten sind so nahe beieinander, dass man meinen könnte, es handle sich um einen zyklopen. einen zyklopen mit herzförmigen ohrringen in übergröße. dafür sind die augen der zweiten so weit auseinander und der mund so hervorstehend, dass sie einer ente ähnelt. die dritte erinnert mich schließlich entfernt an emily the strange. weil ihr pony aber bis zur oberlippe reicht, erinnert sie mich auch an einen bobtail. als die vorlesung beginnt, geht das geschnatter über sex, nachtgalerie, alkohol und billige tv-serien weiter. nach 15 minuten bitte ich freundlich, ob es möglich sei, dass man die krisenkonferenz auf nach der vorlesung verschiebe, weil ich größeres interesse am kategorischen imperativ hätte als am geläster über eine vierte, abwesende pädagogin.
der zyklop linst mich böse an. ich muss kurz überlegen, ob ich ihn wie einst odysseus blenden soll, um mein leben zu retten.
nach 50 minuten gegacker erwähnt emily bobtail ihre bauchschmerzen. sie habe gestern chili gekocht. das sagt sie so laut, dass es jetzt alle umsitzenden wissen. was keiner weiß ist, dass auch ich bauchschmerzen habe. bei mir gab es das ganze wochenende über serbische bohnensuppe. sanft entspanne ich meine rückenmuskulatur, hebe das becken und blähe leise, aber dafür würzig. und alle glauben zu wissen, wer es war.

Freitag, 23. Mai 2008

mauerblümchengespräch

das bafög-amt sitzt mir im nacken. es will leistungsnachweise haben. diese stellt aber nur die studentenkanzlei von neun uhr bis elf uhr aus. entsprechend groß ist die warteschlange. mit wartemarke h38 sitze ich etwas abseits von den restlichen studierenden und bin genervt. ich male mir aus, wer von denen das studium abbrechen wird, wer durchs examen rasseln könnte und so weiter. nach wenigen minuten kommt eine frau auf mich zu, ob der platz neben mir frei sei. ohne etwas zu sagen, räume ich mein zeug beiseite. sie ist wenig attraktiv. eine durchschnittliche frisur, dazu verleiht ihr ihre kleidung ein biederes, langweiliges aussehen: wahrscheinlich akademikerkind, montessori, milchbar, pädagogik.
ich gebe mir mühe, distanziert zu wirken. was ich studiere, will sie schließlich wissen. in der hoffnung, sie abzuwimmeln, lüge ich dreist: "mathe." es wirkt, tatsächlich verzieht sie das feiste gesicht.
bevor sie mir ungefragt erzählen wird, was sie studiert, zieht sie zum siebten mal ihre einwegflasche aus ihrer schwarzen handtasche. sie nippt. hochgerechnet kostet sie das mindestens eine halbe stunde täglich. flasche raus, deckel ab, nippen, deckel wieder zu, flasche verstauen. wirtschaftlich gesehen hochgradig ineffizient - "ich werde arbeitsökonomin."

Mittwoch, 21. Mai 2008

revolution bei 90°

mittwoch ist bei mir saunatag. mittwochs ist gemischte sauna, das bedeutet, dass mir leute jeden geschlechts auf meinen genitalbereich starren. die alternative wäre dienstag. dienstags ist damentag. entsprechend könnten nur damen auf mein gemächt glotzen. montag hingegen ist herrensauna, das scheidet als alternative aus. nicht, weil ich homophob bin. aber weil mein ego es nicht verkraftet, wenn männer auf mein genital schielen und zu schwitzen beginnen.
überhaupt halte ich die einteilung in herren, damen, gemischt für antiquiert. meiner meinung nach wäre eine zweiteilung sinnvoll: frauen und männer mit kleinem glied, sowie männer mit großem gemächt und blinde.

Dienstag, 20. Mai 2008

glatzenkönigin

die frau, die gleich an meinen haaren fummeln wird, ist ein geometrischer typ. kugeliges gesicht, kugeliger oberkörper. zu allem überfluss trägt sie ein shirt mit kreisen, die sich über ihren kugeligen brüsten zu ellipsen verzerren. als ich meine instruktionen gebe, verzieht sie ihren mund und eilt nach hinten zu ihrer kollegin. kichernd kommen beide wieder. wahrscheinlich halten sie es für ziemlich dämlich, wenn ein mann mit dämlicher frisur zum friseur geht, um einen schnitt zu verlangen, der noch dämlicher aussieht.
als sie sich um die haare an meinen ohren kümmert, fällt ihr blick auf mein büchlein.
wieder verzieht sie den mund, aber fragt diesmal empört bis mitleidig: "musst du das etwa lesen!?" triumphierend entgegne ich: "wer goethe nicht freiwillig liest, ist dämlich."

Montag, 19. Mai 2008

kurzschlussreaktion

nokia hat es nicht für nötig gehaltem, seinem t9 den namen "rousseau" beizubringen. dieser umstand erschüttert mich mehr als die auslagerung von arbeitsplätzen und schreit nach einer protest-sms. ich entnehme mein nokia aus der linken hosentasche und tippe. seit einem kleinen unfall fehlen dem gerät gehäuse und akkuabdeckung.
rechts trage ich meinen schlüsselbund, dorthin stecke ich jetzt auch mein mobiltelefon. bisher haben das schlüsselmetall und die offene elektronik des handys nur zur selbstabschaltung geführt.
sekunden später freue ich mich über die mollige wärme am rechten bein. im nächsten moment greife ich in panik in die tasche, um dieses brennende etwas von mir zu schleudern. vor meinen augen explodiert mein telefon. wäre ich dabei mitexplodiert und hätte noch andere verletzt, dann würde morgen die zeitung über den amokläufer hannes a. schreiben: für einen terroristen habe ich die falsche religion.

Freitag, 16. Mai 2008

jogi bussi

löw hat heute seinen em-kader benannt. ziemliche gurkentruppe. der einzige, der potentiell farbe ins spiel bringen kann, ist odonkor.

Donnerstag, 15. Mai 2008

szenen einer ehe

die u6 ist knüppelvoll, wie immer. mir gegenüber sitzt eine frau im blazer, fein geschminkt, ziemlich adrett. neben ihr kauert ein typ in ziemlich abgewirtschaftetem outfit. auf die idee, dass sie zusammen gehören, kommt man nicht auf anhieb. bis sie ihn in gebrochenem deutsch belehrt: "wenn du immer siehst aus wie gipsy, kriegen wir nie wohnung!" er antwortet mit ebenfalls gebrochenem deutsch: "wenn die kriegen mit, dass ich franzose bin, dann überhaupt nicht."

Mittwoch, 14. Mai 2008

peuplierung

das lupe-blog hat eine abhängigkeit zwischen genmaisanbau und rechtsradikalismus festgestellt.
dem anschein nach arbeitet horst seehofer eng mit der ostdeutschen botschafterin merkel zusammen. die regierung hat erkannt, dass sie den bevölkerungsschwund nur so stoppen kann: denn genmais macht nicht nur rechtsradikal, er macht auch ostdeutsch.

Montag, 12. Mai 2008

zapfen für anfänger

1,439 je liter super, 1,369 für den diesel. das ist doch erfreulich, da reihe ich mich gerne in die warteschlange ein, stelle den motor ab und lasse den arm aus dem offenen fenster baumeln. vor mir an der bavaria petrol steht noch eine junge familie. während der vater das amt des tankwarts übernommen hat und jetzt kritisch genau auf die anzeige der zapfsäule blickt und dann doch wieder auf die tankpistole schwenkt, kümmert sich seine geschätzt 40-jährige frau um das quengelnde pack auf dem rücksitz des vans und prüft den luftdruck in allen vier reifen. er zwirbelt inzwischen an seinem schnauzer. sie putzt währenddessen noch die scheibe, bringt müll weg und holt schließlich das geld und verschwindet ins kassenhäuschen. sichtlich genervt steht der vater auf der fahrerseite und droht der frucht seines leibes damit, nach hause zurück zu fahren, wenn nicht augenblicklich ruhe herrsche. auch die abwesenheit seiner gattin dauert ihm offensichtlich zu lange. im befehlston ruft er ihr hinterher, sie solle dem kassierer geld geben und nicht seine lebensgeschichte anhören.
als sie wieder herauskommt, will er wissen, was es gekostet habe. scheinbar ist ihm der betrag beim blick auf die zapfsäule entgangen.
mit erotisch sanfter stimme sagt sie, es habe 69,01€ gekostet, aber weil sie keinen cent hatte, hätte der kassierer nur 69€ verlangt. über den teuren diesel wild fluchend ordnet der tyrann an, sie solle endlich einsteigen, er habe schließlich nicht den ganzen tag zeit. ich betrachte inzwischen das nummernschild und die typenbezeichnung: 1,8i. den gleichen motor habe ich auch, aber ich habe mich dann für den etwas teureren super entschieden.

Samstag, 10. Mai 2008

route 66

immer wenn ich nine-eleven höre, denke ich an virales marketing.

Mittwoch, 7. Mai 2008

tiger im tank

um 14:32 erreicht mich eine sms: die absenderin jammert über ihren scheißtag. "lol", denke ich und freue mich, dass es gleich an der tür klingeln wird, wir das auto beladen und ab in die berge fahren werden, um grenzenlosen genuß zu haben. in dieser hochstimmung schreibe ich sicher keine mitleidige sms!
aber es klingelt nicht... immer noch nicht... ah, endlich!
das auto ist schnell beladen und wir stehen im stau. um kurz vor 4 sind wir endlich am blomberg. jetzt aber schnell die bikes raus ausm wagen und ab aufn gipfel. aber irgendwas fehlt. ich trottel habe die achse zuhause vergessen.
mit wut im bauch und dem unguten gefühl, dass mein mitfahrer sich ausmalt, wie er meine leiche beseitigt, fahren wir zurück nach münchen. da ich kurz vor münchen doch noch am leben bin, beschließen wir, aus der not eine tugend zu machen, die achse zu holen und an der isar etwas zu fahren. 5 vor 7 parke ich bei grünwald. wir laden abermals die bikes aus und bauen sie zusammen. er packt seinen drehmomentschlüssel aus: "muss nochmal nachziehen." ich höre es klicken und negatives karma erfüllt den raum. er hat die schraube abgerissen - nix mehr mit biken. mit unterdrückten flüchen lade ich mein bike wieder ein. seines auch. auf der heimfahrt beginnt die tankuhr zu blinken; eigentlich kein wunder nach 300km. vielleicht schreibe ich ihr doch zurück.

Dienstag, 6. Mai 2008

das totale date

ein date, endlich! aber was sagen?! leider kann ich es nicht vermeiden, dass die zukunft zur sprache kommt. berufe, karriere, familie und so; vor allem aber karriere. in einem anfall geistiger umnachtung sage ich die wahrheit. "germanistik?! was kann man denn damit machen?!", entfährt es ihr. "ach", sage ich, "josef goebbels war auch germanist".

Montag, 5. Mai 2008

schöne augen

auf der suche nach meiner lieblingstiefkühlpizza war ich vorhin in einem der größten einkaufszentren vor ort. an der kasse herrschte multikulturelles durcheinander, die russische kassiererin war mit der japanischen technik überfordert, während die türkische mutter mit dem baby auf dem arm nach ihrem geld wühlte und die stöckelschuhtragende vietnamesin vor mir in der schlange blöd schaute. an der kasse nebenan hingegen tummelten sich 3 glatzen in thor-steinar-klamotten.

ich hasse großmärkte. sie überfordern meine vorurteilskoordination massiv.

Donnerstag, 1. Mai 2008

weiße nächte

aus, vorbei, vier zu null gegen zenit st. petersburg.
schon wieder scheitert eine deutsche delegation tapferer, starker, junger söldner in russland beim griff nach dem thron in europa. man hätte aus der geschichte lernen sollen.