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Freitag, 23. Mai 2008

mauerblümchengespräch

das bafög-amt sitzt mir im nacken. es will leistungsnachweise haben. diese stellt aber nur die studentenkanzlei von neun uhr bis elf uhr aus. entsprechend groß ist die warteschlange. mit wartemarke h38 sitze ich etwas abseits von den restlichen studierenden und bin genervt. ich male mir aus, wer von denen das studium abbrechen wird, wer durchs examen rasseln könnte und so weiter. nach wenigen minuten kommt eine frau auf mich zu, ob der platz neben mir frei sei. ohne etwas zu sagen, räume ich mein zeug beiseite. sie ist wenig attraktiv. eine durchschnittliche frisur, dazu verleiht ihr ihre kleidung ein biederes, langweiliges aussehen: wahrscheinlich akademikerkind, montessori, milchbar, pädagogik.
ich gebe mir mühe, distanziert zu wirken. was ich studiere, will sie schließlich wissen. in der hoffnung, sie abzuwimmeln, lüge ich dreist: "mathe." es wirkt, tatsächlich verzieht sie das feiste gesicht.
bevor sie mir ungefragt erzählen wird, was sie studiert, zieht sie zum siebten mal ihre einwegflasche aus ihrer schwarzen handtasche. sie nippt. hochgerechnet kostet sie das mindestens eine halbe stunde täglich. flasche raus, deckel ab, nippen, deckel wieder zu, flasche verstauen. wirtschaftlich gesehen hochgradig ineffizient - "ich werde arbeitsökonomin."